Tote Ratten untersuchen: Jonas Jahnkes besondere Sommerferien

 

Ratte als Corpus delicti

 

Jonas Jahnke aus der 10c hatte in den Sommerferien Gelegenheit, die Junior-Akademie für Hochbegabte zu besuchen. Frau Morlang hat ihn dazu interviewt.

Morlang:

Hallo Jonas! Du warst in den Sommerferien auf der Junior-Akademie für Hochbegabte und hast tote Ratten untersucht.  Wie riecht das und hast Du den Geruch etwa noch immer in der Nase?
Jonas:

Also der Geruch ist sehr unangenehm, vor allem für Personen, die noch nie etwas mit Verwesung zu tun hatten. Es riecht irgendwie nach faulen Eiern mit einem Hauch Gasgeruch. In der Akademie konnte ich danach nicht mehr richtig Mittagessen, weil der Geruch sehr lange in der Nase sitzt.

Morlang:

Bevor wir klären, was Du genau gemacht hast, erkläre doch bitte, was die Junior-Akademie ist und wie Du dahin gekommen bist!

Jonas:

Eine Junior Akademie ist ein 10-tägiges Angebot im Auftrag des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes NRW. Unsere Schule hat einige Schülerinnen und Schüler nominiert und ihnen die Möglichkeit gegeben, sich zu bewerben und aus einer sehr großen Auswahl an Jugendlichen angenommen zu werden.

Morlang:

Es standen Dir doch bestimmt verschiedene Workshops zur Auswahl! Warum hast Du ausgerechnet den mit den toten, stinkenden Ratten gewählt?

Jonas:

Anfangs wusste ich gar nicht, dass man dort mit Ratten arbeitet. Eigentlich habe ich mich dort beworben, weil ich mich vorher im Internet informiert hatte und mich der Forensik-Kurs einfach am meisten angesprochen hat und mein Berufswunsch ebenfalls in die Richtung der Kriminalistik geht.

Morlang:

Was wolltet Ihr bei den Untersuchungen herausfinden?

Jonas:

Unser Auftrag war es, den Verwesungsprozess der Ratten zu beobachten und diese zu dokumentieren z.B. den Geruch, das Aussehen oder welche Käfer sich auf der Ratte abgesetzt haben. Die sollte veranschaulichen, wie die richtigen Kriminalistiker den Verwesungsprozess bestimmen.

Morlang:

Durftest Du die Ratten etwa anfassen? Das ist doch bestimmt nicht ungefährlich.

Jonas:

Klar durfte ich die Ratte anfassen! Anfangs war das noch recht cool, aber letztendlich war ich froh, als ich die blutumhüllte, aufgeplatzte Leiche nicht mehr anfassen musste. Gefährlich ist das nicht wirklich, da es ja lediglich eine Leiche ist, die eigentlich als Schlangenfutter genutzt wird. Außerdem durften wir auch nur mit Einweghandschuhen arbeiten.

Morlang:

Wie viele Jugendliche waren denn in Deinem Kurs und wo kamen sie her?

Jonas:

In meinem Kurs waren 18 Jugendliche aus den verschiedensten Regionen. Beispielsweise sind einige aus dem anderen Kurs von Minden bis zum Seminar nach Königswinter etwa 260 km weit gefahren. Aus meinem Kurs ist die weiteste Entfernung 190 km gewesen, die zurückgelegt werden musste.

Morlang:

Und hast du die anderen Teilnehmer schon einmal wieder gesehen?

Jonas:

Ja, ich habe mich letztes Mal mit einem Teil meines Kurses in Dortmund getroffen und wir haben geplant uns in Kürze wieder zu treffen.

Morlang:

Hast Du auch etwas über die Themen der anderen Arbeitsgruppen erfahren?

Jonas: Es gab außer Forensik noch zwei Kurse, und zwar Molekulare-Biomedizin und Astrophysik. Dort wurde viel über Bakterien und auch beispielsweise X- und Y-Chromosome gesprochen. In Astrophysik wurde hingegen eher das Sonnensystem in allen seinen kleinen Einzelheiten unter die „Lupe“ genommen. Außerdem hat jeder Kurs auf der Abschlussveranstaltung einen 10-minütigen Vortrag über sein Thema gehalten.
Morlang:

Habt ihr außer euren Untersuchungen noch andere theoretischen Themen bearbeitet oder gab es auch ein Freizeitangebot?

Jonas:

Es gab jeden Tag variierende KüAs (Kursübergreifende Angebote). So haben wir unter anderem „Blind Soccer“ gespielt oder alle an einem Tanzkurs teilgenommen. Diese wurden teilweise von Leitern, aber auch von uns Jugendlichen angeboten. Sobald man eine Idee hatte konnte man diese an eine Pinnwand hängen und eventuell auf den Tagesplan kommen.

Morlang: Gab es sonst noch besondere Ereignisse?
Jonas:

Besonders toll war das Zusammenarbeiten mit dem Kriminalbiologen Mark Benecke, den ich davor nur aus dem Fernsehen kannte. Er wollte sich unbedingt unsere Body Farm (Ratten) anschauen. Dabei hat man gemerkt, dass er bisher noch schlimmeren Gerüchen ausgesetzt worden war, da es ihn nicht interessiert hat, wie stark die Ratte für uns Jugendliche gestunken hat.

Morlang:

Wie sieht denn Dein Fazit aus: Würdest Du noch einmal zur Junior-Akademie fahren oder war es doch zu anstrengend, sodass Dir irgendwie ein paar Tage Erholung in den Ferien fehlen?

Jonas:

Also ich kann es einfach nur weiterempfehlen. Ich würde dort, wenn es die Möglichkeit gäbe direkt noch einmal hinfahren. Auch wenn vielleicht nicht der Wunschpartner aus der Jahrgangsstufe mitkommt, schließt man sehr schnell, sehr gute und enge Freundschaften. Außerdem sind die Themen interessant und auch sehr schön gestaltet. Es hat sich für mich nicht wie Unterricht oder eine Lehrphase angefühlt. Es war sehr entspannt und die Leiter waren so etwas wie die erwachsenen Freunde, mit denen man jeden Spaß machen konnte.

Es war alles in allem eine sehr schöne und tolle Erfahrung, die man unbedingt erleben muss. Also nutzt die Chance wenn ihr nominiert werdet! ;)

Jonas (vorne, in der Mitte) mit Abschluss-Urkunde

 

Blind Soccer am Abend