GymBo-Schüler treffen Opfer der Diktatur des DDR-Regimes

Erinnerung ist eine prekäre Sache – speist sie sich doch so oft aus ganz persönlichen Erlebnissen, die einen Menschen prägen, ihn begleiten und mit seinem Tod verlöschen. Um Erinnerungskultur und somit gesellschaftliches Bewusstsein für Vergangenes zu kreieren, sollten junge Menschen jedoch nicht nur in Büchern lesen, findet Thomas Dickmann: Im Rahmen seines Geschichtsunterrichts lud der Studienreferendar daher ehemalige DDR-Bürger ein, die als Zeitzeugen der gemeinnützigen Organisation „Vereinigung der Opfer des Stalinismus“ über ihr Leben berichten. „Durch das persönliche Gespräch mit den Zeitzeugen wird Geschichte lebendig“, sagt Dickmann.  Alexander Richter etwa ist so ein Zeitzeuge; nach dem Verfassen eines regimekritischen Romans wurde er 1983 wegen „staatsfeindlicher Hetze“ zu sechs Jahren Haft verurteilt. Eindringlich schildert er die Umstände seiner Verhaftung und Verurteilung – wie man ihm die Kleidung wegnahm und in einen blauen Trainingsanzug steckte, wie er bis zu acht Stunden verhört wurde und sich mit 17 anderen Männern, darunter Kleinkriminelle und Mörder, eine Zelle teilte. Auch von seiner Schulzeit weiß Richter einiges zu erzählen: Der Staatskundelehrer etwa kam zu Feiertagen in Galauniform. Bei ihm mussten die Schüler die „Hauptaufgabe des Sozialismus“ herunterbeten. „Politischer Drill war völlig normal“, erinnert sich der ehemalige DDR-Bürger. Auch lange Haare als Ausdruck von Individualität waren verdächtig – wer sich hartnäckig weigerte, sie zu schneiden, konnte eingesperrt werden.

Von links nach rechts: Marvin Bänkel, Alexander Richter, Guidocan Brühl, Thomas Dickmann und Dieter Rother

So wird den Jugendlichen langsam bewusst, wie wichtig das ihnen so selbstverständliche Gut der freien Meinungsäußerung und individuellen Entfaltung ist. „Unseren Schülerinnen und Schülern soll bewusst werden, was Demokratie eigentlich bedeutet“, sagt auch Schulleiter Lars Schnor. „Die individuellen Erlebnishorizonte der Zeitzeugen können für junge Menschen einen wichtigen Teil der deutschen Geschichte lebendig werden lassen und so auch eine nachhaltige Wertschätzung der Errungenschaften unserer modernen Gesellschaft hervorbringen.“ 

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