Der wirklich letzte Schultag

Ein echter letzter Schultag: Das gibt es für einen Lehrer eigentlich nur zweimal im Leben. Das erste Mal anlässlich des eigenen Schulabschlusses, wenn man das Gymnasium in Richtung Studium verlässt – eine Zeit, in der viele Ungewissheiten die Zukunftserwartung prägen. Wird der neue Lebensabschnitt die Erwartungen erfüllen, die man an ihn knüpft? Können die vielfältigen persönlichen Beziehungen und Kontakte aus dem abgeschlossenen Lebensabschnitt – der Schulzeit - aufrechterhalten werden? Ist man, unabhängig  vom biologischen Alter, das den Übergang einleitet, überhaupt bereit für diesen Schritt? Diese Fragen beantworten sich im Laufe jeder Biographie und – je nachdem, wie sie ausfallen – prägen sie vielleicht ein Stück weit das Selbstbild, die Einstellung zu Beruf und persönlichen Beziehungen. Dann gehen ein paar Jahrzehnte ins Land, in denen man vielleicht heiratet, vielleicht Kinder, vielleicht Enkel bekommt, eine Identität als Lehrer entwickelt; dann aber, irgendwann, ereilt einen Lehrer der zweite wirklich letzte Schultag. Nämlich, wenn man seine Bücher verteilt und seine Fächer ausräumt, wenn man Mitteilungen fürs nächste Schuljahr mit einem Lächeln begegnet, wenn man sich von den Kollegen nicht nur für sechs Wochen verabschiedet. Für die Kollegen Stüwe, Müller und Mevenkamp ist es dieses Jahr soweit; die drei Urgesteine des GymBo – alle drei seit den 80er Jahren an unserer Schule – haben keineswegs vor, Ende August wieder in der Schule vorstellig zu werden. Pension nennt man das; passt überhaupt nicht zu den dynamischen Herren, die tatkräftig den Volleyball schmettern, energetisch das Klavier bedienen oder im Camper durch Frankreich düsen. Alle haben das GymBo und seine vielen Schülergenerationen geprägt; Klemens Mevenkamp ist als brillanter Denker bekannt, der Schülerinnen und Schülern veranschaulichte, was es bedeutet, eine Fachwissenschaft richtig zu beherrschen; entgegen dem Klischee des nerdigen Mathematikers hat er sich jedoch auch als begabter Sportler und auch als gitarrenerfahrener Musiker hervorgetan. Musik – ein Stichwort, das sofort auf Stephan Müller verweist, der dem GymBo viele fantastische Konzerte geschenkt, viele Schülerinnen und Schüler in ihrer musikalischen Entwicklung begleitet hat. Mit großem Sachverstand, aber auch mit Humor und Philanthropie hat er aber auch so manche Schullaufbahn, so manche Abiturprüfung begleitet. Als Klassenlehrer begleitet hat auch Uli Stüwe unzählige Schüler; Deutsch kann er wie kein zweiter und sicher hat er nicht nur mit seinen gewitzten Sprüchen und seinen entspannten Umgangsformen einen Weg ins Gedächtnis so mancher Schüler und auch Kollegen gefunden. Und wenn Müller, Stüwe und Mevenkamp jetzt ihren zweiten wirklich letzten Schultag begehen, so haben sie vielleicht die eine oder andere Frage an den kommenden Lebensabschnitt: Wird er die an ihn geknüpften Erwartungen erfüllen? Können die vielfältigen persönlichen Beziehungen aus dem Berufsleben aufrecht erhalten werden? Die kommenden Monate und Jahre werden diese Fragen ebenso beantworten wie vor vielen Jahrzehnten, als der erste letzte Schultag anstand; doch die letzte Frage: Ist man – unabhängig vom biologischen Alter – überhaupt bereit für diesen Schritt, beantworten die drei sicher und ohne jegliches Zögern mit – „Ja“.

Die drei Urgesteine: Klemens Mevenkamp, Stephan Müller und Uli Stüwe

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Prinzenstrasse

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