Besuch des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln, EL DE Haus am 14. Januar 2026

 

Das Thema des Nationalsozialismus stellt in vielen gesellschaftswissenschaftlichen Fächern einen zentralen Unterrichtsgegenstand dar. Während sich Historikerinnen und Historiker zunehmend auf die Entstehungsgeschichte sowie die Machtübernahme des NS-Regimes konzentrieren, beleuchten Pädagoginnen und Pädagogen unter anderem die damaligen Erziehungsziele und -mittel. Trotz dieser unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen verfolgen beide Fächer ein gemeinsames Ziel: die Aufklärung über die Mechanismen, die zu dem Ausmaß des nationalsozialistischen Grauens führten. Dadurch soll ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, welche Kompetenzen und Handlungsweisen unabdingbar sind, um demokratische Strukturen zu bewahren und zu stärken. Insofern beschlossen der bilinguale Geschichtskurs sowie die Pädagogikkurse der Q2, gemeinsam eine Exkursion zum NS-Dokumentationszentrum in Köln zu machen.

Das EL-DE-Haus in Köln bietet in diesem Zusammenhang eine besondere Möglichkeit, Geschichte unmittelbar zu erfahren und sich intensiv mit den Folgen diktatorischer Herrschaft auseinanderzusetzen. Mitten im Herzen von Köln nutzte die nationalsozialistische Geheime Staatspolizei (Gestapo) dieses Gebäude, um als politische Polizei des NS-Regimes verschiedene Bevölkerungsgruppen (z.B. Kommunisten, Sozialisten und Juden), die als angebliche rassische oder politische Feinde der NS-Volksgemeinschaft galten, zu verfolgen und zu ermorden. Das Ausmaß der Verbrechen wurde bei unserem Besuch unmittelbar deutlich und erfahrbar. Die Gestapo richtete Büros in den oberen Etagen ein und in einem Kellergeschoss wurde ein Hausgefängnis mit zehn Zellen geschaffen. Hier sind circa 1800 Aufzeichnungen, Inschriften und Zeichnungen der Gefangenen erhalten geblieben, die von vielen erschütternden Schicksalen der Frauen, Männern und Kindern, die hier in den letzten Kriegsjahren gefangen gehalten, gefoltert und ermordet wurden, zeugen. In dem knappen Jahrzehnt ihrer Arbeit war die Gestapo dafür verantwortlich, dass das EL DE Haus zu einem Symbol der NS-Terrorherrschaft in Köln wurde.

Ein herzlicher Dank gilt der Lothar-Böning-Stiftung, die durch ihre finanzielle Unterstützung die Fahrt nach Köln für alle Schülerinnen und Schüler ermöglicht hat. Trotz einer längeren Anreise nach Köln benötigten wir vom Bahnhof aus nur wenige Gehminuten, um das EL-DE-Haus zu erreichen. Mithilfe ihres Vorwissens aus dem Geschichts- und Pädagogikunterricht konnten die Schülerinnen und Schüler schnell einordnen, an welchem historischen Ort sie sich befanden. Ihre Eindrücke und Gedanken zu diesem Besuch reflektierten sie wie folgt:

 

Eindrücke von Schülerinnen und Schülern:

„Die Mischung zwischen Lehrreichem und Emotionalem kreiert eine Atmosphäre in der man staunend (negativ) mehr über die Thematik lernt als im Unterricht, zumindest aus meiner Perspektive.“ (Lisa Dreher)

 

„Es ist auch sehr verletzend zu sehen, was manche der Gefangenen an den Wänden verfasst haben, wie unter anderem Geschichten über Familien und verlorenes Leben. Der Hof für die Exekutionen war von der Atmosphäre am bedrückendsten, da man auf dem Boden stand, wo viele Leute gestorben sind.“

 

“The visit to the EL DE House was a very emotional and intense experience with many new insights, thanks to the personal stories and the atmosphere, especially in the basement and backyard. The stories of the inmates were very different and cruel. The story that had the biggest impact on me was the one of the mother that was pregnant while in prison under these terrible circumstances and was lucky enough to be able to go to a hospital. People died there, were tortured and more. And even though all of that happened the first years after the end of WW2 the building was used as a registry office, later on as some other judiciary building and society tried to cover, hide and forget what happened there. Survivors of the Gestapo maybe had to get married there after all they have been through. German society was in a state of denial and ignorance towards their own history. Cells in which people starved or froze to death were used as storage rooms for trash and government papers. I think this is a terrible way of dealing with German history and the history of the building” (Noah Göller)

 

„Als wir in den Keller kamen und uns dort alles erklärt wurde, hat sich bei mir im Magen etwas umgedreht, mir wurde ein wenig übel und es ist eine negative Stimmung in mir aufgekommen. Dies wurde vor allem durch die originalen Bilder, die ausgestellt wurden, noch verstärkt. Ich fand die Exkursion sehr prägend und interessant. Es lässt mich die deutsche Geschichte noch ein bisschen mehr verstehen“

 

„Wenn man an die Brutalitäten des Zweiten Weltkriegs denkt, denkt man zumeist an die Konzentrationslager und die ermordeten Juden; in diesem Museum sieht man allerdings auch, in was für einem Ausmaß die deutschen Bürger gelitten haben, die sich gegen das Regime wehrten. Direkt vor Ort zu sein und in den heruntergekommenen, engen Zellen zu sein, hat einen schaurigen Effekt: Man kann sich die ganzen Qualen, die Angst, die Beklemmung und sogar den Geruch vorstellen. Es ist verrückt, wenn man darüber nachdenkt, dass so etwas direkt hier in der Nähe stattgefunden hat“

 

„Das erste Mal, dass ich so einen Ort besucht habe, und mir fehlen die Worte. Das 20 Menschen in einem Raum sind, in dem nicht mal eine Person richtig atmen kann, wenn sie dort drin ist. Ich realisiere gerade erst beim Reflektieren, wie schlimm es für diese Menschen dort gewesen ist“ (Ali Haidar)

 

“What especially caught my interest during our field trip were the stories told about certain prisoners of the Gestapo. The various doodles, drawings and texts on the walls were utmost fascinating to me, because they show a fraction of the complex thoughts that go through the mind of someone who finds himself in such a situation. I learned a bit more about the things that happened literally "underground" in the middle of the city and how people who knew about it still chose to forget or ignore what was happening.” (Arthur Fischer)

 

„Ich fand die Geschichte von Marinette interessant und teilweise traurig, da die französische Kommunistin nach der Geburt ihrer Tochter von ihr getrennt wurde. Während ihrer Gefangenschaft schrieb sie lange Texte auf die Wände ihrer Zelle, die sich an ihre Tochter Christiane richteten. Durch die Führung allein wurde einem klar, inwiefern die Gestapo zahlreiche Menschen terrorisiert hat, um ihre Macht auszunutzen.“

 

„Es wurden so viele Daten und Fakten dargestellt, was ich angesichts der am Ende des Kriegs versuchten Vertuschung durch die Verbrennung der Akten bemerkenswert finde. Insgesamt war es wirklich spannend, da man nicht so oft die Möglichkeit bekommt sich so intensiv in die Opfer der NS-Zeit hineinzuversetzen“

 

„Es ist traurig zu wissen, dass man in den Zellen steht, in denen viele Menschen unter schweren Bedingungen festgehalten wurden. Besonders traurig macht mich der Gedanken daran das wir dort standen, in den beengenden Zellen und kommen und gehen konnten, wann immer wir wollten, während vor ca. 80 Jahren genau diesen Ort manche Menschen nie wieder verlassen konnten. Auch wenn der Besuch emotional belastend und auch unangenehm ist, ist er wichtig, um zu verstehen, warum sich solche Ereignisse niemals wiederholen dürfen.“ (Leonie Beutil)

 

“Personally, I think this trip to the EL DE Haus in Cologne was more than necessary. Especially during times like these, it’s crucial to be aware of (German) history. To partake in this tour really helped me understand the brutal way Jews and other inmates were treated. It was an emotional experience and as already mentioned, I hold the opinion that it is more than necessary to visit the EL DE Haus again in the future for other classes/courses, since everything that was theoretically taught in school became visual.”

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