Szenische Lesung der Internationalen Klasse beeindruckt

Daniel Düsentrieb wäre wahrscheinlich nicht auf die Idee gekommen, dass Steine eine Geschichte erzählen können. 

Er hätte auch nicht gewusst, dass es in Arabien schon Hochkulturen gab, als wir Europäer über viele Dinge noch gar nicht nachdachten: In Mesopotamien gab es bereits Siedlungen mit ertragreichem Ackerbau, als in Europa die Menschen noch nicht sesshaft waren und Amerika noch nicht entdeckt war.

Die in arabischer Sprache aufgezeichnete Medizin des persisch-arabischen Raums beeinflusste die Ärzte des Westens während des gesamten Mittelalters, zunächst in arabischer Sprache. Werke jüdischer und islamischer Ärzte wie der Kanon der Medizin von Abū Alī al-Husain ibn Abd Allāh ibn Sīnā kurz Ibn Sina, lateinisch Avicenna (980–1037) gehörten über Jahrhunderte zu den Standard-Lehrbüchern der Ärzte.

Der erste Mensch, der erkannte, dass es Lichtstrahlen sind, die in unser Auge eindringen und nicht hinausgehen, war im 10. Jahrhundert der muslimische Mathematiker, Astronom und Physiker Ibn al-Haitham. Das Wort Kamera stammt aus dem Arabischen gamera. 

Auch die Kunst entwickelte sich in den arabischen Ländern völlig anders als in Westeuropa. Bilder aus Stein, also Mosaike, gab es in Arabien schon seit dem Altertum. Das Buch Ramas Flucht besteht aus vielen Bildern, die der syrische Künstler Nizar Ali Badr aus Steinen gelegt hat. Er sammelt die Steine am Strand der Hafenstadt Latakia, wo er lebt. Jedes dieser Steinbilder erzählt eigentlich schon eine Geschichte, aber zusammen schildern sie das Schicksal des Mädchens Rama: 

Rama lebt mit ihren Eltern, ihrem Großvater und ihrem Bruder Sami in einem arabischen Land. Alle sind sehr glücklich und zufrieden dort, bis sie im Hinblick auf ihren Glauben und ihre Sprache und Kultur unterdrückt und schließlich Opfer des Bombenterrors des Krieges werden. Sie fliehen, wie es bereits viele Leute vor ihnen getan haben und viele Menschen gleichzeitig mit ihnen tun. Dabei überqueren sie ein Gebirge und ein Meer. Die Flüchtlinge haben Opfer zu beklagen, vor allem, als sie im Boot das Meer überqueren. Aber schließlich gelangen sie in ein freundliches Land, dessen Sprache sie zwar nicht verstehen, das ihnen aber Sicherheit vor dem Krieg und ein neues Zuhause bietet. 

Der Schluss bleibt offen. Es wird nicht gesagt, ob dieses Zuhause eine neue Heimat für immer sein kann. Es bleibt auch offen, um welches Land es sich hier handelt. 

Die kanadisch-niederländische Schriftstellerin Margriet Ruurs hat diese Steinbilder des Künstlers ausgewählt und dazu den Text zunächst auf Englisch geschrieben. Dieser Text wurde dann von Falah Raheem, einem Iraker, ins Arabische übersetzt, von Ulli und Herbert Günther ins Deutsche. Das Ganze wurde in Deutschland 2017 vom Gerstenberg Verlag veröffentlicht, die Erstveröffentlichung fand aber schon 2016 in Kanada statt.

 Milosz, Yoomin, Cheolhee, Petek, Shaian, Jumana, Raghad, Mahsin, Safwan, Ahmed, Mohamed und Baraa

Die Hälfte der Schülerinnen und Schüler der Internationalen Klasse haben genau solch eine Flucht hinter sich, wie sie in diesem Buch geschildert wird. Trotzdem oder gerade deshalb lieben sie den Text und die wunderschönen Bilder. Diese kreative Zusammenarbeit unterschiedlicher Kulturen, die sich bei der Erstellung des Buches zeigt, findet sich auch bei den Schülerinnen und Schülern der Internationalen Klasse des Gymnasiums Borbeck: Die Hälfte der Schülerinnen und Schüler kommt zwar aus dem arabischen Raum: Syrien und Irak, die andere Hälfte jedoch aus Europa und Korea. Niemand von ihnen spricht Deutsch als Muttersprache. Trotzdem hatten sie den Mut, das Buch in beiden Sprachen, Arabisch und Deutsch, vor Publikum vorzulesen.

Baraa Albunni bei der Begrüßung und Einführung in das Thema

(Lesen Sie seinen Orginaltext hier)

 

     
 Petek, Shaian und Jumana  Mahsin, Safwan, (Raghad), (Ahmed), Mohamed & Baraa

 

            
Bei ihrem ersten Auftritt vor Publikum bewiesen die Beteiligten ihren Mut und ihre Sprachkenntnisse.  
     

 

Der Erfolg gibt ihnen Recht, wie spontane Äußerungen nach der Lesung verdeutlichen: 

„Da wird genau das Schicksal erzählt, das wir erlitten haben. Wir haben nur nicht unter einem Orangenbaum gesessen in unserer Heimat, sondern unter einem Olivenbaum.“

„Ich kann dieses Buch nie wieder anschauen. Es macht mich zu traurig.“

„Ich habe zum ersten Mal erfahren, wie klangvoll die arabische Sprache sein kann.“

 

Literaturangabe:

Margriet Ruurs, Nizar Ali Badr, Ramas Flucht. deutsch-arabische Ausgabe: Gerstenberg Verlag Hildesheim, 2017. 12,95€

Original: Stepping Stones. A Refugee Family´s Journey, Orca Book Publishers, Victoria (Canada) 2016

Text: Annegret Freyse

Fotos: Ariel Weisberg und Jonas Viehof

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